Gauliga Ostpreußen

Die Gauliga Ostpreußen war eine von 16 obersten Fußballligen, die nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 in Deutschland gegründet wurden. In ihr wurde der ostpreußische Teilnehmer an der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft ermittelt.

Geschichte

Die Gau-Einteilung 1933,
Nr. 1 = Ostpreußen

Nach der Gleichschaltung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurden alle bisherigen Fußball-Verbände aufgelöst. Der Spielbetrieb wurde nun in vorerst 16 Fußballgauen organisiert und als höchste Spielklasse jeweils eine Gauliga eingerichtet. Die 16 Gauligameister waren für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft qualifiziert. Die Gauliga Ostpreußen bestand aus Vereinen des ehemaligen Baltischen Rasen- und Wintersport-Verbandes.

Die Gauliga Ostpreußen bestand bei ihrer Einführung 1933 aus zwei Staffeln, in denen jeweils sieben Mannschaften um die ostpreußische Meisterschaft und damit den Teilnehmer an der Endrunde der deutschen Meisterschaft spielten. Die Staffelsieger spielten in Hin- und Rückspiel den Gaumeister aus. Am 30. Juni 1935 wurde auf einer Tagung der Fußballkreisführer beschlossen, ein geändertes Spielsystem im Gau Ostpreußen-Danzig einzuführen. Der Spielbetrieb fand zuerst in den bestehenden vier zweitklassigen Bezirksklassen statt, wobei die Gauligisten aus der Vorsaison ebenfalls nun in den Bezirksklassen spielten. Die jeweils zwei besten Mannschaften pro Bezirksklasse qualifizierten sich dann für die eigentliche Gauliga, die in zwei Gruppen mit je vier Mannschaften ausgetragen wurde. Die beiden Gruppensieger trafen dann in zwei Entscheidungsspielen um die Gaumeisterschaft aufeinander. Dieses System wurde drei Spielzeiten lang durchgeführt, wobei sich jedes Jahr neu durch eine vordere Platzierung in der Bezirksklasse für die Gauliga qualifiziert werden musste.

Erst zur Spielzeit 1938/39 wurde wieder eine feststehende Gauliga installiert, hierfür qualifizierten sich die jeweils beiden besten Vereine aus den vier Bezirksklassen der Vorsaison sowie zwei Vertreter aus der Qualifikationsrunde der Bezirksdritten. Die folgende Spielzeit litt an der schlechten Witterung und dem Einfluss des Weltkrieges. Wegen anhaltendem Frost und Terminschwierigkeiten wurde die Austragung der Gaumeisterschaft ab April 1940 auf die Vereine VfB Königsberg, SC Preußen Danzig, BuEV Danzig und SV Prussia-Samland Königsberg begrenzt, die bisher zwischen diesen Mannschaften stattgefundenen Spiele behielten ihre Gültigkeit. 1940 wurden die Mannschaften des Regierungsbezirks Marienwerder (bis 1939 Reg.bez. Westpreußen) und Danzigs der neuen Gauliga Danzig-Westpreußen zugeordnet. Daher begann die Spielzeit in Ostpreußen mit acht Mannschaften, nach dem Rückzug von Rasensport-Preußen Königsberg während der Spielzeit wurde die Saison allerdings mit nur sieben Klubs beendet. Analog verliefen die folgenden beiden Spielzeiten, als sich Preußen Insterburg nach dem vierten Spieltag bzw. ein Jahr später SV Preußen Mielau nach dem zweiten Spieltag zurückzog. Die Spielzeit 1944/45 fand kriegsbedingt nur noch in Königsberg statt.

Bei den Endrunden zur deutschen Fußballmeisterschaft waren die Vertreter der Gauliga Ostpreußen qualitativ den Vereinen aus dem Rest von Deutschland unterlegen. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges konnte die Gruppenphase nie überstanden werden, meist wurden die Gaumeister aus Ostpreußen Letzter oder Vorletzter ihrer jeweiligen Gruppe. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, als viele Vereine Spieler auf Grund von Kriegseinsätzen verloren, glich sich die Spielstärke wieder etwas an. So konnte der VfB Königsberg bei der deutschen Fußballmeisterschaft 1941/42 bis ins Viertelfinale vordringen und verlor dort knapp mit 1:2 gegen Blau-Weiß 90 Berlin. Auch in der darauf folgenden Saison erreichte Königsberg das Viertelfinale, auf Grund des Einsatzes eines nicht spielberechtigten Akteurs im Erstrundenspiel wurde Königsberg jedoch ausgeschlossen.

Gaumeister 1934–1945

Saison Gaumeister
Ostpreußen
Abschneiden
deutsche Meisterschaft
Deutscher Meister
1933/34 SC Preußen Danzig Gruppenvierter Gruppe A FC Schalke 04
1934/35 Yorck Boyen Insterburg Gruppenvierter Gruppe A FC Schalke 04
1935/36 SV Hindenburg Allenstein Gruppenvierter Gruppe A 1. FC Nürnberg
1936/37 SV Hindenburg Allenstein Gruppendritter Gruppe A FC Schalke 04
1937/38 Yorck Boyen Insterburg Gruppenvierter Gruppe A Hannover 96
1938/39 SV Hindenburg Allenstein Gruppendritter Gruppe 1 FC Schalke 04
1939/40 VfB Königsberg Gruppenzweiter Gruppe 1a FC Schalke 04
1940/41 VfB Königsberg Gruppendritter Gruppe 2a SK Rapid Wien
1941/42 VfB Königsberg Viertelfinale FC Schalke 04
1942/43 VfB Königsberg ausgeschlossen⁠A Dresdner SC
1943/44 VfB Königsberg Achtelfinale Dresdner SC
1944/45 abgebrochen keine deutsche Fußballmeisterschaft
A 
Wegen des Einsatzes eines nicht spielberechtigten Akteurs im Erstrundenspiel wurde der VfB Königsberg nachträglich ausgeschlossen.

Rekordmeister

Übersicht Meister Gauliga Ostpreußen

Rekordmeister der Gauliga Ostpreußen ist der VfB Königsberg, welcher die Gaumeisterschaft fünfmal gewinnen konnte.

VereinTitelJahr
VfB Königsberg 5 1940, 1941, 1942, 1943, 1944
SV Hindenburg Allenstein 3 1936, 1937, 1939
SV Yorck Boyen Insterburg 2 1935, 1938
SC Preußen Danzig 1 1934

Ewige Tabelle

Berücksichtigt sind alle Gruppen- und Finalspiele der Gauliga Ostpreußen zwischen den Spielzeiten 1933/34 und 1943/44. Zwischen den Spielzeiten 1935/36 und 1937/38 sind nur die eigentlichen Gauligaspiele berücksichtigt. In der Spielzeit 1939/40 ist nur die Finalgruppe berücksichtigt, die abgebrochene Spielrunde 1944/45 ist in der Tabelle nicht dargestellt. Die Tabelle richtet sich nach der damals üblichen Zweipunkteregel.

Pl. VereinJahre Sp. S U NT+T- Diff. PunkteØ-Pkt.TitelSpielzeiten nach Kalenderjahren
 1. VfB Königsberg11  114  72  13  29 454183 +271 157:711,3851933–44
 2. Hindenburg Allenstein6  66  53  7  6 26886 +182 113:191,7131933–39
 3. SV Prussia-Samland Königsberg10  112  50  11  51 225270 −45 111:1130,9901933–36, 1937–44
 4. Yorck Boyen Insterburg6  66  35  13  18 208119 +89 83:491,2621933–39
 5. SVgg Masovia Lyck6  60  31  8  21 179146 +33 70:501,1701933–39
 6. BuEV Danzig6  62  27  12  23 121123  −2 66:581,0601933–36, 1937–40
 7. SC Preußen Danzig5  44  20  5  19 11795 +22 45:431,0211933–37, 1939/40
 8. SC Gedania Danzig5  54  17  10  27 113158 −45 44:640,8101933–35, 1936–39
 9. Reichsbahn SG Königsberg4  48  18  3  27 104141 −37 39:570,8101940–44
10. SV Preußen Mielau⁠a2  24  18  1  5 11128 +83 37:111,5401940–42
11. SV Insterburg5  60  14  9  37 118257 −139 37:830,6201934/35, 1940–44
12. SV Rasensport-Preußen Königsberg⁠b4  48  15  6  27 107135 −28 36:600,7501933–35, 1936/37, 1938/39
13. Polizei-SV Danzig2  30  14  4  12 7882  −4 32:281,0701934/35, 1938/39
14. LSV Richthofen Neukuhren2  24  12  4  8 8465 +19 28:201,1701940/41, 1942/43
15. MTV Ponarth2  24  10  2  12 7293 −21 22:260,9201942–44
16. SV Viktoria Allenstein2  24  8  4  12 6193 −32 20:280,8301933–35
17. MSV von der Goltz Tilsit3  30  8  2  20 4682 −36 18:420,601935–37, 1938/39
18. Tilsiter SC2  24  6  4  14 5580 −25 16:320,6701933–35
19. Rastenburger SV2  24  6  4  14 4488 −44 16:320,6701933–35
20. Königsberger STV2  24  5  5  14 4595 −50 15:330,6301942–44
21. SV Allenstein1  12  6  2  4 2933  −4 14:101,1701943/44
22. LSV Heiligenbeil1  12  5  0  7 3333  ±0 10:140,8301941/42
23. SV Viktoria Elbing1  12  2  2  8 1943 −24 6:180,501933/34
24. VfB Osterode1  12  1  1  10 1356 −43 3:210,2501941/42
25. FC Preußen Gumbinnen1  12  0  2  10 1556 −41 2:220,1701933/34
26. SV Goldap1  6  0  0  6 830 −22 0:12001936/37
27. Freya-VfR Memel1  12  0  0  12 663 −57 0:24001940/41
a 
Zog sich in der Saison 1942/43 zurück, bereits ausgetragene Spiele in dieser Saison wurden annulliert und flossen nicht in die ewige Tabelle ein.
b 
Zog sich in der Saison 1940/41 zurück, bereits ausgetragene Spiele in dieser Saison wurden annulliert und flossen nicht in die ewige Tabelle ein.

Ligasystem

Das Ligensystem im Fußballgau Ostpreußen unterlag im Laufe des Bestehens einigen Änderungen. Unter der Gauliga war die Fußball-Bezirksklasse Ostpreußen als zweite Ligastufe eingerichtet, die in mehreren Bezirken ausgespielt wurde. Die Sieger der Abteilungen qualifizierten sich für die Aufstiegsrunde zur Gauliga, die zwei bestplatzierten Mannschaften in dieser Runde stiegen in die Gauliga auf. Unter der Bezirksklasse waren die 1. und 2. Kreisklassen angeordnet. Ab 1939/40 wurde die Gauliga in Bereichsklasse und die Bezirksklasse in 1. Klasse umbenannt, darunter folgten die 2. und 3. und 4. Klassen.

Quellen

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