Thioridazin
Thioridazin ist ein als Sedativum und Antipsychotikum eingesetzter Arzneistoff aus der Gruppe der Neuroleptika.
| Strukturformel | ||||||||||||||||||||||
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![]() | ||||||||||||||||||||||
| 1:1-Gemisch aus (R)-Form (links) und (S)-Form (rechts) | ||||||||||||||||||||||
| Allgemeines | ||||||||||||||||||||||
| Freiname | Thioridazin | |||||||||||||||||||||
| Andere Namen |
(RS)-10-[2-(1-Methylpiperidin-2-yl)ethyl]-2-methylsulfanylphenothiazin (IUPAC) | |||||||||||||||||||||
| Summenformel |
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| Kurzbeschreibung |
weißes bis fast weißes Pulver[1] | |||||||||||||||||||||
| Externe Identifikatoren/Datenbanken | ||||||||||||||||||||||
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| Arzneistoffangaben | ||||||||||||||||||||||
| ATC-Code |
N05AC02 | |||||||||||||||||||||
| Wirkstoffklasse | ||||||||||||||||||||||
| Eigenschaften | ||||||||||||||||||||||
| Molare Masse |
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| Schmelzpunkt | ||||||||||||||||||||||
| Siedepunkt |
230 °C (Thioridazin, 2,66 Pa)[2] | |||||||||||||||||||||
| Löslichkeit |
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| Sicherheitshinweise | ||||||||||||||||||||||
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| Toxikologische Daten | ||||||||||||||||||||||
| Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. | ||||||||||||||||||||||
Die chemische Verbindung gehört zu den Phenothiazinen und wird in Form des Racemats verwendet.
Pharmakologische Eigenschaften
Thioridazin zeigt eine starke Blockade von
- α1-Adrenozeptoren
und jeweils eine mäßige Blockade von
- Dopamin-D2-
- Serotonin-5-HT2A-
- Histamin-H1-
- und muskarinischen M1-Acetylcholin-Rezeptoren.[4]
Wegen seiner schwachen neuroleptischen Potenz wurde es bevorzugt zur Sedierung angewandt.
Ein ähnliches Wirkspektrum wie Thioridazin besitzt Quetiapin.
Thioridazin wirkt zudem als FIASMA (funktioneller Hemmer der sauren Sphingomyelinase).[5]
Zulassung
Thioridazin wurde 1958 von Sandoz unter dem Handelsnamen Melleril in den Handel gebracht. Der Arzneistoff wird vorwiegend als besser wasserlösliches Hydrochlorid oder Tartrat eingesetzt.
Wegen QTc-Verlängerung (siehe QT-Syndrom) hatte der größte Hersteller Novartis Melleril in den USA und in Europa aus dem Handel genommen.[6]
In Indien wurde Thioridazin neuerdings erfolgreich in mehreren kleinen Studien gegen extrem resistente Stämme von Mycobacterium tuberculosis (XDR-TB) eingesetzt. Größere klinische Studien sind geplant.[7][8]
Unerwünschte Wirkungen
Nebenwirkungen zeigen sich wie bei anderen Neuroleptika unter anderem durch anticholinerge Effekte.[9]
Handelsnamen
Mellaril, Mellaril-S (USA), Melleril, Melleretten (D, A, CH)
Siehe auch
Literatur
- Ernst Mutschler: Arzneimittelwirkungen. 7. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1996, S. 143–149.
Einzelnachweise
- Eintrag Thioridazine CRS beim Europäisches Direktorat für die Qualität von Arzneimitteln (EDQM), abgerufen am 15. September 2010.
- Eintrag zu Thioridazin. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 21. September 2011.
- Datenblatt Thioridazine hydrochloride bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 24. April 2011 (PDF).
- Harald Schmidt (Hrsg.), begründet von Claus-Jürgen Estler: Pharmakologie und Toxikologie. 6. Auflage. Schattauer, Stuttgart / New York 2007, S. 225.
- J Kornhuber, M Muehlbacher, S Trapp, S Pechmann, A Friedl, M Reichel, C Mühle, L Terfloth, T Groemer, G Spitzer, K Liedl, E Gulbins, P Tripal: Identification of novel functional inhibitors of acid sphingomyelinase. In: PLoS ONE. Band 6, Nr. 8, 2011, S. e23852, doi:10.1371/journal.pone.0023852.
- Thioridazine – Withdrawn due to poor benefit/risk profile. WHO Pharmaceuticals Newsletter, 2005, No. 01; abgerufen am 20. November 2016.
- Z. F. Udwadia, T. Sen, L. M. Pinto: Safety and efficacy of thioridazine as salvage therapy in Indian patients with XDR-TB. In: Recent patents on anti-infective drug discovery, Mai 2011, Band 6, Nummer 2, S. 88–91; PMID 21631417.
- M. J. Boeree: Global clinical trials for the treatment of TB with thioridazine. In: Recent patents on anti-infective drug discovery, Mai 2011, Band 6, Nummer 2, S. 99–103; PMID 21548879.
- Torsten Kratz, Albert Diefenbacher: Psychopharmakotherapie im Alter. Vermeidung von Arzneimittelinteraktionen und Polypharmazie. In: Deutsches Ärzteblatt, (22. Juli) 2019, Band 116, Heft 29 f. S. 508–517, S. 511.
